
| 750 Kilometer · 17.000 Höhenmeter · 7 Etappen · Gesamtsieg in der Kategorie Team Grand Master |
Von der Tourtransalp hat sicher jeder ambitionierte Amateurradfahrer schon gehört. Seit 22 Jahren richtet der Delius Klasing Verlag, u.a. Herausgeber der Radzeitschrift „Tour“, ein einwöchiges Etappenrennen in den Alpen aus.
Für uns Hobbyathleten die Chance, sich wie ein Pro zu fühlen: Rennen fahren, essen, schlafen. Denn wer das Rundum-Sorglos-Paket bucht, der hat nicht nur das Rennen mit Verpflegung an der Strecke und im Ziel inklusive, sondern muss sich auch nicht um Hotelbuchungen und Gepäcktransport kümmern.
750 Kilometer und 17.000 Höhenmeter
Überaus professionell organisiert und mit gutem Auge für schöne Streckenführungen ging es vom 21.-27.6.26 über 750km/ 17000 Höhenmeter von Lienz in Osttirol nach Riva am Gardasee, wobei Riva immer der traditionelle Zielort der Tour Transalp ist. Mit dabei einige große Namen der Alpenpässe wie Staller Sattel zwischen Antholz und Defereggental oder Passo Giau und Passo Duran in den Dolomiten ebenso wie weniger bekannte landschaftliche Perlen wie die Hochebene von Asiago. Besonders geehrt wurde der Monte Grappa, welcher an gleich zwei Tagen von verschiedenen Seiten erklommen wurde.
Gesamtsieg für Alexander Jung und Christian Groß
Gestartet werden kann als Einzelfahrer/in oder im Team (2 Männer oder 2 Frauen oder Mixed), nicht selten gehen Ehe- oder Geschwisterpaare an den Start. In der Klasse „Team Grand Master“, das entspricht der Klasse der Männer Ü50 startete Alexander Jung (TSV Harburg) und sein Teampartner Christian Groß (Gommersheim, Rheinland-Pfalz) mit Erfolg, denn die Gesamtzeit von 24:15h bedeutete den Sieg in dieser Kategorie.
Extreme Hitze als größte Herausforderung
Die größte Herausforderung für alle 650 Teilnehmer war die unsagbar große Hitze in der Rennwoche, nur ein einziger (warmer) Regenschauer in Lavarone, dem Ziel der vorletzten Etappe, trübte den Sonnenschein.
„Man fühlt sich auf dem schwarzen Asphalt, als würde man auf einer Herdplatte radeln“, so erzählt Jung.
Und weiter:„Wir kommen jeden Tag mit den besten 10 Prozent der Fahrer/innen im Ziel an und haben es eigentlich recht schnell hinter uns gebracht, aber die Teilnehmer, welche deutlich mehr Zeit brauchen, sind völlig durchgekocht!“
Am Ende der Woche waren doch alle glücklich und zufrieden. „Heute habe ich 20 Minuten im Cafe bei Espresso und Gelato gesessen“, sagte ein Teilnehmer, dem die Zeit nicht so wichtig ist. Auch das ist möglich: während vorn ein schnelles Rennen tobt, geht es in den hinteren Reihen auch mal gemütlich zu.
Ein Tagesablauf wie bei den Profis
Geholfen hat in der Rennwoche ein strukturierter Tagesablauf: Nach dem Frühstück begaben sich die Fahrer mit dem Rad oder per Busshuttle zum Start, der bis auf zwei Ausnahmen um 9 Uhr erfolgte.
„Die Aufstellung am Start war für uns ab Tag zwei voll entspannt,“ berichtet Jung, „da die Führenden jeder Kategorie erkennbar an den verschiedenfarbigen Leadertrikots sich in die erste Reihe stellen dürfen und sogar müssen. Da konnten wir schon mal ein paar Minuten länger schlafen und standen trotzdem an perfekter Position.“
Die Etappe war die ersten Kilometer, in der Regel im Startort, durch ein Führungsauto neutralisiert. Nach dieser Phase war das Rennen eröffnet und es wurde sofort hart gefahren. Das Geschehen hatte alle Zutaten, die man eben so braucht: Flachpassagen mit Ausreißversuchen, kräftesparende Windschattendynamik, Anstiege am körperlichen Limit und rasante Abfahrten mit an die 100km/h.
„Alles wie bei den professionellen Rennen, nur mit viel weniger Watt.“ lacht Christian Groß, der wie sein Teampartner Alexander Jung bisher nur Erfahrung von Eintagesrennen mitbringt.
Internationale Atmosphäre und professioneller Service
Im Ziel gab es immer tollen Austausch und es wurden neue Kontakte geknüpft, häufig auf Englisch, denn laut Veranstalter waren Starter aus 27 Nationen dabei.
Wer wollte, konnte sein Rad waschen und professionell reparieren lassen und sogar im bewachten Bikepark bis zum nächsten Tag abstellen. Dann war Zeit für Verpflegung, Massage, Siegerehrung der Tages- und Gesamtwertungen.
Im „Cappuccino-Modus“ durch das Tal
Auf die Frage, was in der Woche Kurioses passierte, antwortet Jung: „Auf der 6. Etappe zwischen Semonzo und Lavarone war ein 30km Teilstück neutralisiert, da der Bürgermeister der Talgemeinde Arsiero ein Radrennen untersagt hatte. Daraufhin fuhren wir dort ohne Zeitnahme, plaudernd im Cappuccino-Modus, unterbrochen durch eine ausgiebige Erfrischung am und im Brunnen des Ortes, bis das Rennen an der nächsten Zeitmatte wieder scharf gestellt wurde.“ Und Groß dazu: „Das war so relaxed: Ein junger Fahrer fuhr das Teilstück mit seinem Bruder und seiner Schwägerin gemeinsam. Eigentlich waren die zwei als Edelhelfer engagiert, aber da sie die Räder im Auto hatten, sind sie halt mit uns ein Stück geradelt.“
Besonderer Dank an das medizinische Team
Ein besonderer Dank an das Team der Tour Transalp, insbesondere an das Notarztteam um den leitenden Anästhesisten Sebastian Zimatschek (München) und Wiebke Würz (Bonn). Die Zwei begleiteten das Rennen auf dem Motorrad und delegierten das ärztliche Team zu den Einsätzen. Die zwei Starter Jung und Groß haben zwar keine Erste Hilfe gebraucht, aber die entscheidende Motivation kam von Zimatschek und Würz, denn im „echten“ Leben behandeln sie und das Ehepaar Dres. Jung gemeinsame Patienten in Donauwörth.
Bericht: Alex Jung
Fotos: Mathiaszyk (Team Tour Transalp)