17. Juli 2026

Tour Transalp

Tour Transalp: Für eine Woche leben wie ein Radprofi

750 Kilometer · 17.000 Höhenmeter · 7 Etappen · Gesamtsieg in der Kategorie Team Grand Master

Von der Tour Transalp hat vermutlich jeder ambitionierte Amateurradfahrer schon einmal gehört. Seit 22 Jahren richtet der Delius Klasing Verlag, unter anderem Herausgeber der Radzeitschrift „TOUR“, das einwöchige Etappenrennen in den Alpen aus.

Für Hobbyathleten bietet sich dabei die einmalige Gelegenheit, sich wie ein Radprofi zu fühlen: Rennen fahren, essen und schlafen. Wer das Rundum-sorglos-Paket bucht, muss sich weder um Hotelübernachtungen noch um den Gepäcktransport kümmern. Auch die Verpflegung während der Etappen und im Ziel ist organisiert.

750 Kilometer und 17.000 Höhenmeter

Vom 21. bis 27. Juni 2026 führte die professionell organisierte Tour über rund 750 Kilometer und 17.000 Höhenmeter von Lienz in Osttirol bis nach Riva am Gardasee – dem traditionellen Zielort der Tour Transalp.

Auf dem Programm standen bekannte Alpenpässe wie der Staller Sattel zwischen Antholz und dem Defereggental sowie der Passo Giau und der Passo Duran in den Dolomiten. Hinzu kamen weniger bekannte landschaftliche Höhepunkte wie die Hochebene von Asiago.

Eine besondere Rolle spielte der Monte Grappa, der an zwei verschiedenen Tagen von unterschiedlichen Seiten erklommen wurde.

Gesamtsieg für Alexander Jung und Christian Groß

Bei der Tour Transalp kann sowohl als Einzelstarter als auch in Zweierteams gestartet werden. Häufig treten dabei Ehepaare, Geschwister oder Freunde gemeinsam an.

In der Kategorie „Team Grand Master“ für Männer über 50 Jahre gingen Alexander Jung vom TSV Harburg und sein Teampartner Christian Groß aus Gommersheim in Rheinland-Pfalz an den Start.

Mit einer Gesamtzeit von 24 Stunden und 15 Minuten sicherten sie sich den Gesamtsieg in ihrer Kategorie.

Extreme Hitze als größte Herausforderung

Die größte Herausforderung für die rund 650 Teilnehmerinnen und Teilnehmer war die außergewöhnlich starke Hitze während der gesamten Rennwoche. Lediglich ein warmer Regenschauer in Lavarone, dem Zielort der vorletzten Etappe, unterbrach den dauerhaften Sonnenschein.

„Man fühlt sich auf dem schwarzen Asphalt, als würde man auf einer Herdplatte radeln“, berichtet Alexander Jung.

Jung und Groß erreichten das Ziel täglich unter den besten zehn Prozent des Teilnehmerfeldes. Besonders hart traf die Hitze jedoch die Fahrerinnen und Fahrer, die deutlich länger auf der Strecke unterwegs waren.

„Wir haben es eigentlich immer recht schnell hinter uns gebracht. Aber die Teilnehmer, die viel mehr Zeit benötigen, sind völlig durchgekocht“, erzählt Jung.

Trotz der hohen Temperaturen überwog am Ende die Freude über das gemeinsam Erlebte. Während an der Spitze um Sekunden gekämpft wurde, ließen es andere Teilnehmer bewusst etwas ruhiger angehen.

„Heute habe ich 20 Minuten im Café bei Espresso und Gelato gesessen“, berichtete ein Fahrer, für den die Platzierung nicht im Vordergrund stand.

Ein Tagesablauf wie bei den Profis

Ein strukturierter Tagesablauf half den Teilnehmern, die anstrengende Woche zu bewältigen. Nach dem Frühstück ging es mit dem Fahrrad oder per Busshuttle zum Start. Dieser erfolgte – bis auf zwei Ausnahmen – jeweils um 9 Uhr.

Für Jung und Groß wurde die Startaufstellung ab dem zweiten Tag besonders komfortabel. Als Führende ihrer Kategorie trugen sie verschiedenfarbige Leadertrikots und durften sich in der ersten Startreihe aufstellen.

„Da konnten wir ein paar Minuten länger schlafen und standen trotzdem an der perfekten Position“, berichtet Jung.

Die ersten Kilometer jeder Etappe wurden durch ein Führungsfahrzeug neutralisiert. Sobald das Rennen freigegeben war, wurde sofort mit hohem Tempo gefahren.

Das Renngeschehen bot alles, was auch professionelle Radrennen auszeichnet: Ausreißversuche auf flachen Streckenabschnitten, taktisches Fahren im Windschatten, Anstiege am körperlichen Limit und rasante Abfahrten mit Geschwindigkeiten von fast 100 Kilometern pro Stunde.

„Alles wie bei den professionellen Rennen – nur mit viel weniger Watt“, scherzt Christian Groß.

Für beide Fahrer war die Tour Transalp eine neue Erfahrung, denn zuvor hatten sie ausschließlich an Eintagesrennen teilgenommen.

Internationale Atmosphäre und professioneller Service

Im Ziel blieb ausreichend Zeit für den Austausch mit anderen Teilnehmern. Nach Angaben des Veranstalters waren Sportlerinnen und Sportler aus 27 Nationen vertreten, sodass viele Gespräche auf Englisch geführt wurden.

Auch der Service erinnerte an ein Profirennen: Die Fahrräder konnten gewaschen, professionell repariert und bis zum nächsten Tag in einem bewachten Bikepark abgestellt werden.

Anschließend standen Verpflegung, Massage sowie die Siegerehrungen der Tages- und Gesamtwertungen auf dem Programm.

Im „Cappuccino-Modus“ durch das Tal

Für eine kuriose Situation sorgte die sechste Etappe zwischen Semonzo und Lavarone. Ein rund 30 Kilometer langer Streckenabschnitt musste neutralisiert werden, da der Bürgermeister der Talgemeinde Arsiero ein Radrennen untersagt hatte.

Die Fahrer legten diesen Abschnitt deshalb ohne Zeitnahme zurück.

„Wir fuhren plaudernd im Cappuccino-Modus und machten eine ausgiebige Pause am Brunnen des Ortes“, erzählt Jung.

Erst an der nächsten Zeitmessmatte wurde das Rennen wieder aufgenommen.

Christian Groß erinnert sich ebenfalls gerne an diesen ungewöhnlichen Abschnitt:

„Das war sehr entspannt. Ein junger Fahrer fuhr das Teilstück gemeinsam mit seinem Bruder und seiner Schwägerin. Eigentlich waren die beiden als Edelhelfer eingeplant. Aber weil sie ihre Räder im Auto hatten, sind sie einfach ein Stück mit uns geradelt.“

Besonderer Dank an das medizinische Team

Ein besonderer Dank gilt dem gesamten Team der Tour Transalp und insbesondere dem Notarztteam um den leitenden Anästhesisten Sebastian Zimatschek aus München und Wiebke Würz aus Bonn.

Die beiden begleiteten das Rennen auf dem Motorrad und koordinierten die Einsätze des medizinischen Teams.

Alexander Jung und Christian Groß benötigten während der Tour glücklicherweise keine medizinische Hilfe. Eine besondere Motivation waren Zimatschek und Würz für die beiden dennoch: Im Berufsleben behandeln sie gemeinsam mit dem Ehepaar Dres. Jung Patientinnen und Patienten in Donauwörth.

Bericht: Alex Jung

Fotos: Mathiaszyk, Team Tour Transalp

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